Genug ist Genug
Wenn und etwas zu sehr belastet, sollten wir einen Schlussstrich ziehen.
Das ist nicht immer leicht.
Warum es uns oft schwer fällt, loszulassen – und wie es dennoch gelingt.
Etwas zu beenden gehört zu den schwierigsten Dingen im Leben.
Auch wenn uns manches auf die Seele drückt wie ein zu enger Schuh auf einen Zeh – wir trennen uns nicht gerne.
Wir verharren in Beziehungen, in denen wir uns nicht mehr lieben, sondern nur arrangieren.
Wir halten an Freundschaften fest, in denen wir uns schon lange nichts mehr zu sagen haben.
Wir sitzen an Schreibtischen, auf denen Arbeit liegt, die uns unangenehm geworden ist.
Wieso sagen wir in Situationen, die uns schon lange nicht mehr gut tun, nicht „es reicht“?
Was hält uns davon ab, einen Schlussstrich zu ziehen?
Nichts ist so verheißungsvoll wie ein neuer Anfang – aber nichts macht uns so viel Angst.
Im Unterschied zum Neuen gibt uns das Gewohnte, allein weil wir es gut kennen, etwas Bequemes: Stabilität.
Es ist wie eine Komfortzone, in der wir mit dicken Pantoffeln an den Füßen in einem Lehnstuhl sitzen. Es fällt schwer, aus dieser Zone aufzustehen, die Schuhe anzuziehen, die Haustür zu öffnen und neue Wege zu gehen. Denn es wären Schritte ins Unbekannte. Und das könnte herausfordernd, anstrengend oder sogar noch schlimmer als das Bestehende sein.
So finden sich viele Menschen lieber mit dem vertrauten Unglück ab, als nach einem neuen Glück zu suchen.
Ein Phänomen, das besonders auf Frauen zutrifft: Familie, Haushalt und Beruf stehen im Vordergrund und die eigenen Bedürfnisse werden zurückgeschraubt. Der Gatte hat sein Hobby, für das er regelmäßig Zeit und Geld aufbringt, die Kinder ebenso.
Doch dadurch wächst die eigene Unzufriedenheit. Auf Dauer können solche Situationen sogar krank machen, von Depressionen bis zu körperlichen Beschwerden.
Tatsächlich ziehen wir oft erst den Schlussstrich, wenn die Situation und dazu zwingt.
Obwohl das Beenden zu jeder Lebensgeschichte gehört, wehren wir uns dagegen.
Wir denken, wir hätten versagt, die falschen Entscheidungen getroffen. Wir müssen andere zurück lassen. So ist der Weg zum „Nein“ mit schwierigen Gefühlen belegt: Trauer, Angst und Scham.
Für einen Neuanfang gibt es meist nur zwei Impulse:
Der Eine ist die Verlockung. Wir wollen etwas unbedingt haben.
Der andere Impuls ist ein unerträglich gewordener Schmerz.
Doch den großen Knall, um etwas zu ändern, braucht es nicht immer.
Man kann auch anders zu einer Entscheidung kommen, wenn man sich bewusst Zeit dafür nimmt und einige Punkte beachtet:
1. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Bekennen Sie sich dazu, dass es etwas gibt, was Sie innerlich nicht mehr wollen.
2. Schreiben Sie eine „Negaivliste“. Notieren Sie alles, was Sie nervt.
3. Entdecken Sie Ihre Visionen. Schreiben Sie zu jedem negativen Detail, was Sie sich wünschen. Wie könnte das Positive aussehen?
4. Können Sie in Ihrer jetzigen Situation das bekommen, was Sie sich wünschen?
5. Gibt es Möglichkeiten, wie Sie das Bestehende verbessern können? Wenn ja, dann setzen Sie sich kleine, konkrete Ziele und setzten diese nach und nach um.
6. Handeln Sie nicht überstürzt. Wägen Sie alle Punkte genau ab und beratschlagen Sie sich mit vertrauten Personen.
7. Denken Sie immer wieder, was Sie sich wünschen.
Erst, wenn die innere Überzeugung ganz klar sagt, dass die Zeit reif für Veränderungen ist, sollten Sie es auch wagen. Ist das Gefühl noch zu unsicher und mit viel Angst verbunden, ist die Zeit noch nicht reif, aber der erste Schritt getan.
Wagen Sie auch den zweiten Schritt, erleben Sie ein wunderbares Gefühl der Befreiung und des Glücks.
Autor: Isi14