Trauerbewältigung: Vom Umgang mit Abschied und Schmerz

Abschied, Trauer und Schmerz werden bei uns gerne immer noch verdrängt, denn sie machen Angst. Andererseits ist das Thema Trauer hochaktuell: Täglich senden die Medien Bilder trauernder Menschen nach Gewaltverbrechen oder Naturkatastrophen, Tode wie der von Lady Di oder Nationaltorwart Robert Enke geben Anlass zur Massentrauer, und auch die Sterbehilfe-Diskussion zwingt zum Umgang mit dem Thema Tod. Und schließlich werden die Deutschen, also wir, immer älter. Wir wollen human altern und human sterben und human trauern. Spätestens nach dem Verlust eines lieben Menschen fällt dies aber schwer. Wir glauben, wir werden verrückt.
Tröstlich ist, das dies jeder ähnlich durchlebt. Der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross zufolge erlebt der Mensch die Trauer um den Verlust eines Angehörigen oder vertrauten Menschen in fünf Phasen: Leugnen, Wut, Feilschen und Verhandeln, Depression und Annahme. Andere Psychologen und Theologen beschreiben Schuldgefühle und Ängste, die die Hinterbliebenen quälen. Alle Beschreibungen haben eines gemeinsam: Sie schildern den ganz normalen Weg der Trauer-bewältigung. Der Mensch muss diese Stationen durchlaufen, sie sind ganz normal, und nur wer sie durchläuft und zu Ende trauert bleibt gesund. Dies ist tröstlich.
Ist ein Mensch verstorben, stehen die Angehörigen meist wie unter Schock. Die Psyche verleugnet das Geschehene, ähnlich wie die Schmerzwahrnehmung nach einem Unfall. Dies dient dem Menschen als Selbstschutz, damit er nicht zusammenbricht. Er zieht sich zurück und ist nicht ansprechbar. Wie in Trance werden die Formalitäten bis zu Beerdigung erledigt, oft in immenser Geschwindigkeit, oft geht die auch nur langsam oder gar nicht und der Angehörige muss sich Hilfe holen. Ansonsten sollte er ganz normal behandelt werden. Anrufe und Besuche helfen, doch der Wunsch des Trauernden nach Ruhe sollte respektiert werden. Beileidsbekundungen wie „ach Du Arme, ach wie schrecklich!“ sollten Freunde unterlassen. Sie stürzen den Trauernden nur ins Gefühlschaos.
Erst nach Tagen, häufig am Grab, wird dann der Schmerz frei. Er kann sich in Wut und Vorwürfen den Weg bahnen, sei es an die Ärzte oder den lieben Gott. Auch dies ist normal und sollte nicht persönlich genommen werden. Der Trauernde verschafft sich Entlastung und benötigt Unterstützung. Spaziergänge, Sport und gemeinsame Aktivitäten helfen. Auch ein Tagebuch kann bei der Trauerbewältigung helfen. Gibt sich der Trauernde aber, wie bei Unfällen, die Schuld an dem Todesfall, sollte er diese aufarbeiten, um angenommene von „echter“ Schuld zu unterscheiden. Ein Berater kann in dem langen Prozess helfen, mit sich Frieden zu schließen.
Hinterher, bisweilen auch zwischendurch, stürzt der Trauernde in ein Wechselbad der Gefühle: Ängste, Zweifel am Leben, Erleichterung über den Tod eines schwer Pflegebedürftigen und Trauer können sich abwechseln. Akzeptieren Sie auch dies bei sich und bei anderen. Im Stoßgebet kann der Trauernde flehen, der Verstorbene möge zurückkommen. Diese zutiefst menschliche Reaktion ist Teil der Trauerbewältigung.
Immer wieder kommt es dabei zur ersten Einsicht, gepaart mit Depression. Das Unausweichliche wird langsam anerkannt. Nicht selten fällt der Trauernde in ein Loch. Öffnen Sie sich Ihren Gefühlen. Vertrauen Sie Gott und ihren Mitmenschen. Nach einer Zeit wird sich der Schleier lüften und der Tod des Angehörigen wird akzeptiert. Der Heilungsprozess der Psyche beginnt, der Trauernde sieht wieder Licht. Er schließt sich Freunden an und geht ins Leben. Er zieht vielleicht um oder entdeckt neue Hobbys. Er schöpft neue Lebenskraft.
Gerade weil Trauern so aktuell ist, gibt es heutzutage viele Unterstützungsangebote bei der Trauerbewältigung. Selbsthilfegruppen trauern gemeinsam. Reiseveranstalter bieten begleitete Trauerreisen mit Gleichgesinnten ins In- und Ausland an. Kirchengemeinden bieten Rat und Hilfe an. So kann der Prozess der Trauerbewältigung, der meist zwischen drei und fünf Jahren dauert, gemeinsam bewältigt werden. Viel Bewegung und Entspannung sowie die gesunde Ernährung helfen Körper und Geist, dabei gesund zu bleiben. Nachts hilft vielleicht ein Anruf bei der Telefonseelsorge, wo geschulte Beraterinnen und Berater anonym und kostenlose zuhören (0800-1110111 oder 0800-1110222).
Ein Berater hat es einmal so ausgedrückt: „Die Trauerbewältigung ist wie eine Bergbesteigung. Sie müssen unten im Tal beginnen und sich langsam nach oben emporarbeiten, bis Sie wieder eine neue Lebensperspektive für sich erkennen können. Sicher ist, dass Sie Ihren verstorbenen Partner, Angehörigen oder Freund nie vergessen können und werden. Die Erinnerung wird Sie im Laufe der Zeit jedoch nicht mehr so stark schmerzen.“

Beitrag von Pandora