Was braucht die Liebe
TDie meisten Paare ziehen heutzutage zusammen und probieren es einfach aus. Dies kann zweifellos ein guter Weg sein. Ob aber das Paar auch im Alltag zusammen passen und eine Lebenspartnerschaft eingegangen werden kann, muss sich erst noch herausstellen. Zwischen „einander lieben“ und „miteinander leben und den Alltag gestalten“ besteht ein großer Unterschied und eine große Leidenschaft füreinander besagt noch lange nicht, dass man ein Paar werden, ein gemeinsames Leben führen und sich über zentrale Lebensfragen verständigen kann. Die leidenschaftliche Liebe beruht auf einem rational letztlich unerklärbaren Gefühl füreinander.
Das Zusammenleben stellt aber eine Reihe anderer Fragen, die mit der Liebe allein noch nicht beantwortet sind, sondern man sich auseinandersetzen muss, ehe man eine endgültige Entscheidung trifft. Eine so weittragende Entscheidung – wie die für ein gemeinsames Leben – benötigt also nicht nur das Gefühl intensiver gegenseitiger Liebe, sondern zusätzlich die Auseinandersetzung mit verschiedenen weiteren Themen, die man verantwortlich und realistisch besprechen muss. Es muss die Übereinstimmung in zentralen Lebensthemen vorherrschen und die Rollenaufteilung zwischen Mann und Frau bezüglich Beruf und Familie abgeklärt sein. Ebenso wichtig sind weltanschauliche Fragen und religiöse Überzeugungen. Hier muss das Paar sich realistisch fragen, ob sie sich darüber verständigen können oder der Andere uns darin fremd und unverständlich bleibt. Wenn es sehr viele und sehr große Diskrepanzen gibt, dann ist Vorsicht geboten, denn solche Umstände bedeuten eine schwer zu überwindende Fremdheit und führen nicht selten zu Streit und Frustration. Wenn sie nicht durch andere sehr starke Gemeinsamkeiten immer wieder kompensiert werden können, wird eine Lebenspartnerschaft kaum gelingen.
Der ganz normale tägliche Alltag des Zusammenlebens sollte in Harmonie und guter Kooperation gelingen. Ja, man sollte sich ergänzen und ohne sich vollständig zu verbiegen, einen guten Lebensrhythmus finden und sich in der Aufgabenverteilung einigen.
Wenn sich in einer Beziehung zwischen zwei Menschen bei beiden immer deutlicher der Wunsch bemerkbar macht, zu heiraten, dann ist zu überprüfen, ob dieser Wunsch nicht einen angestrebten Wendepunkt zu einer neuen, dauerhaften Beziehungsphase ankündigt. Es ist der Wendepunkt zur Verbindlichkeit, die auch in einer Heirat zum Ausdruck gebracht werden will, um die Beziehung ganz real werden zu lassen. Wenn aber dieser Wunsch von einem der Partner immer wieder abgeschlagen wird, besteht die Gefahr, dass sich die Beziehung nicht mehr weiterentwickelt und erstarrt. Auch die Frage nach möglichen gemeinsamen Kinder wird dann häufig hinausgeschoben.